Alphorn -
Hirtenhorn - Waldhorn
Die Geschichte des Alphornes.
Geschrieben vom Rektor Heinrich Lotz, Lohrhaupten
1. Herstellung
Natürliche Tonträger waren Anreiz, sie zu entwickeln. Dabei spielten hohe Halme, hohle Stängel, Hölzer eine Rolle, auch Röhrenknochen und gebogene Stierhörner. Verwendet wurden Rohlinge aus Wäldern in Alphornform. Man pflanzte Bäume in Steilhängen, die beim Wachsen sich nach oben richteten, dem Licht entgegen. Alphörner werden aus ausgehöhltem Tann- und Fichtenholz hergestellt.
Zur Verstärkung seiner Stimme gebrauchte sie der Senn, mit hörbaren Tönen, auf der Alm weit verstreut grasende Kühe herbeizulocken, sie zu beruhigen, anderen Hütten Signale zu geben und notfalls mit dem Widerhall der Berghänge auch dem Dorf.
Naturlaute des Alphorns finden sich im Wind wieder. Wo der Sturm an- und abschwellende Laute ins Tal presst, prallen seine Wellen auf die Dorffront, fegen über Dächer, stoßen in die Winkel und pfeifen um die Hausecken. Im Ufergebüsch heult der Wind, schleift Hänge hoch und schwillt an in Dauertöne.
Bei manchen Dingen war nicht viel nachzuhelfen, sie zu Tonträgern zu machen und stärkere Töne hervorzulocken. Auch Wurzelausläufer wurden bearbeitet, gehöhlt und mit feinen langen Wurzeln oder geschmeidigen Weidenruten umwickelt, in der Schweiz als "Stockbüschel" bekannt. Neuerdings, auf Fichtenbohlen aufgetragener Hornaufriss wird ausgesägt, längs gespaltet zum Aushöhlen beider Seiten, geglättet und mit Harz und holzfrischer Verleimung passend aufeinander gepresst, Alu-Blechringe aus Büchsen übergestülpt, festen Halt zu geben. Das Innere bleibt reine Holzfläche. Je nach Länge fertigt man zwei bis drei Stücke als Handrohr, Mittelrohr und Unterteil mit Schallbecher und setzt sie so zusammen, dass sie zum Transport auseinander genommen werden können.
2. Historisches
Eins sein mit der Natur wie die Tiere, wussten Steinzeitmenschen zum Verstärken ihrer Stimme Hohlstängel, Hölzer, Röhrenknochen und Stierhörner zu gebrauchen. Ihnen standen unerschöpfliche Ausdrucksmöglichkeiten zur Verfügung: Denken wir uns damit in melodische Tonfolgen musizierende Urahnen hinein, dürfte es schwer fallen, deren wilden Optimismus in einen Takt zu bannen. Von der Schweiz ist bekannt, dass beim Ruf eines leicht gekrümmten Stierhornes sich ihre Ahnen zum Rat versammelten. Forscher vermuten, dass unter dem lateinischen Begriff "Coruns Alpina" der südlichen Berggermanen das heutige Alphorn zu verstehen ist. Das in ländlichen Gegenden aus Hölzern oder Rinden gefertigte Instrument, von Hirten gebraucht, wurden auch "Hirtenhorn" genannt. Mit der Verwendung bei Hirtenstämmen Europas und Asiens gehört es zum indogermanischen Kulturgut.
Ein Wandbild im Dom zu Breisach von Martin Schopenhauer (gest. 1491) zeigt zwei Hirten und zwei Alphörner. In einer einsamen Bergkapelle bei Tiefenbach-Oberstdorf sieht man am Flügelaltar eine Anbetungsszene aus dem Jahre 1568, wo der Hirte ein langgestrecktes Alphorn bläst.
Im 16./17. Jahrhundert schlossen sich hochgeachtete Bläser zur Zunft zusammen. Im März 1958 trafen sich Allgäuer Heimatpfleger. Dabei blies Alois Blank vom Hügel mit einem langen, rohrförmigen Instrument naturhaft klare Laute ins Tal hinab. Der Schwabe Hermann Reger beschaffte ein Schweizer National - Instrument, das der Schullehrer Michael Bredel einspielte. Er wurde von der Landesregierung mit dem Aufbau des Alphornwesens im Allgäu beauftragt, wo das Instrument, heimatlich gepflegt an bäuerliche Tradition gebunden ist. Das Alphorn ist der Archetyp der Blasinstrumente. Es wird seit über 400 Jahren geblasen. Mit der Zeit widmeten sich Bläsergruppen dem Alphorn, auch "Waldhorn" genannt, im gesamten Alpenraum.
Im Laufe von Jahrhunderten änderten sich Formen und Größen:
1500 maß das Horn 3,30m, abnehmend bis 1825 noch 1,95m. 3,60m lang ist es aus dem
Jahre 1707 überliefert. Hirten begnügten sich mit leicht tragbarem Horn. Im
20. Jahrhundert führte man erweiterte Schallbecher ein. Das weltgrößte
Alphorn wurde 1994 gebaut und mit 46m Länge eingetragen in das Guiness-Buch der
Rekorde. Große Alphörner dienen eher touristischer Attraktion als sinnvoller
Nutzung.
Am 15. August 2000, im Waldgebirge Spessart, gründete Arnold Breitenberger eine
Alphornbläsergruppe in Lohrhaupten, veranstaltete mit ihr spektakuläre
Dorffeste und organisierte internationale Treffen mit Alphörnern.
3. Funktionsbreite
In den letzten einhundert Jahren gab es Versuche, das Alphorn mit Klappen und Ventilen auszurüsten, auch Zügen. Sie scheiterten letztlich am Verlassen naturgetreuer Linien. Im Alphorn-Wesenskern ist die Tonika F und Jass. Das heute wohltemperierte Instrument bleibt in F-, G- und H-Dur beliebt. Alle Hörner ohne Ventile, Klappen oder Züge haben die Eigenart und lassen den siebten und elften Ton, das B und F für unsere Ohren falsch klingen. Der elfte Naturton heißt "Alphorn FA". Alphornmusik klingt in optimistischen Grundzügen. Sonore Alphornklänge versetzten in traumhafte Stimmung. Andächtig lauscht man dem Staccato, den Echo-Resonanzen zweier oder mehrerer Alphörner, ein einmaliger Ohrenschmaus. Das Alphorn fragt nach der Seele.
Es ist altertümlich und neuartig einsetzbar, meist in langatmigen Resonanzen, sowohl in mehrstimmiger Stärke, als auch in zart schraffierten Klangmustern. Der mehr melodiöse Charakter in 3 Stufen zeichnet einen Unterschied zu dem Hauptstrom musikalischer Varianten. Jede minimalistische Tonzerrung hat ihren maximalen Hintergrund. 1967 versuchten Baseler Pfeifer und Trommler eine Alphorn-Jazzband zu gründen. Ab 1974 werden in der Alphorn Musik Folklore-Festivals im Sommer aufgenommen. 1976, im "Grand Prix d' Eurovision" erreichte Peter Reber mit der "Alphorn-Lady" den 6. Platz und eine Goldene Schallplatte. 1989 tingelten Alphorn blasende Straßenmusikanten durch die Welt. 1991 taucht der Rocksong auf "Just another call from the mountains".
Heinrich Lotz 63639 Flörsbachtal
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